Der Digital Product Passport startet 2027

Beitrag von Dr. Dietmar Müller

Chefredakteur Beyond Buzzwords

25. Januar 2026

Der Countdown läuft: Industrieunternehmen müssen bis 2027 einen Digital Product Passport einführen, dann startet die EU mit der ersten Produktgruppe.

Ab 2027 verpflichtet die EU Hersteller und Zulieferer, einen Digital Product Passport (DPP) bereitzustellen. Doch die Industrieunternehmen in Deutschland sind schlecht darauf vorbereitet, zeigt eine neues „Industriebarometer“ von Forterro: Lediglich 42 Prozent der befragten Unternehmen wissen, was der DPP umfasst. Nur 49 Prozent geben an, die Anforderungen zu kennen und zu verstehen. Nur rund die Hälfte fühlt sich vorbereitet, während 25 Prozent zugeben, nicht zu wissen, ob sie überhaupt bereit sind.

Was ist der Digital Product Passport genau?

Der DPP ist eine strukturierte Sammlung produktbezogener Daten mit vordefiniertem Umfang und vereinbarten Dateneigentums- und Zugriffsrechten, die durch eine eindeutige Kennung übermittelt werden. Er bündelt zentrale Produktinformationen entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von Herkunft und Materialien über Wartung bis hin zu Wiederverwendung und Recycling. Damit schafft er regulatorische Transparenz, ermöglicht eine durchgängige Rückverfolgbarkeit und unterstützt EU-weit den Übergang zu zirkulären Geschäftsmodellen. Unabhängig von ihrer Position in der Lieferkette müssen Unternehmen die Vorgaben einhalten, um regulatorische Anforderungen zu erfüllen und nachhaltige Wertschöpfung zu ermöglichen.

 

Hürden im industriellen Mittelstand

Die Umsetzung des DPP ist besonders für den Mittelstand herausfordernd. Die größten Hindernisse sind laut Forterro-Studie fehlende Compliance-Ressourcen (42 Prozent), komplexe Anforderungen (42 Prozent) und mangelnde Orientierungshilfen (37 Prozent). Hinzu kommt, dass sich diese technisch anspruchsvolle Verordnung weiterhin in der Entwicklung befindet – was für viele Unternehmen die zentrale Frage offenlässt, wann konkret zu handeln ist. Für viele kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bedeutet die Umsetzung eine erhebliche organisatorische und finanzielle Belastung: Im Durchschnitt wird mit Investitionen zwischen 21.500 Euro und 42.999 Euro gerechnet.

„Eine wachsende Zahl von Vorschriften wird sich auf den DPP stützen, um produktbezogene Informationen digital verfügbar zu machen. Für Unternehmen ist es wichtig, eine transparente Datenstruktur zu schaffen. Das bildet die Grundlage für eine Vielzahl von Umwelt-, Compliance- und Handelsvorschriften und somit auch für den DPP. Insgesamt überwiegen die Vorteile den erforderlichen Aufwand“, sagt Claudia Schmidhäuser, Senior Principal Product Management bei Forterro.

 

Schritte zur DPP-Vorbereitung

Damit wächst der Druck auf Industrieunternehmen, sich frühzeitig mit der Umsetzung zu befassen, eine Infrastruktur aufzubauen und Datenstrukturen zu vereinheitlichen. Sie sollten dafür eine Bestandsaufnahme der Daten zur Sicherstellung einer stabilen Datenbasis vornehmen. Zudem braucht es eine Interoperabilität im Unternehmen, wozu die Sichtung aller eingesetzten Systeme, Schnittstellen und Datenformate sowie die Identifikation von Redundanzen und inkonsistenten Datenflüssen nötig werden. Compliance- und Nachhaltigkeitsanforderungen müssen in bestehende ERP- und PLM-Systeme integriert werden und interoperabler Datenformate und standardisierter Reporting-Prozesse eingeführt werden.
 

Compliance als Wettbewerbsvorteil

Der zunehmende Regulierungsdruck erstreckt sich inzwischen auf nahezu alle Bereiche industrieller Wertschöpfung – von Datenschutz und Umweltberichterstattung bis hin zu erweiterten Herstellerpflichten. Gleichzeitig wächst das Verständnis dafür, dass konsequente Compliance mehr ist als nur administrativer Aufwand: 51 Prozent der Unternehmen sehen darin einen klaren Wettbewerbsvorteil und investieren gezielt in Technologien, die eine transparente und effiziente Erfüllung regulatorischer Anforderungen ermöglichen. Ebenso viele geben an, dass Compliance ihre operativen und technologischen Kaufentscheidungen maßgeblich beeinflusst.

Auch der DPP ist weit mehr als ein reines Regulierungsinstrument. Er gilt als Schlüssel zu datengetriebener Nachhaltigkeit und damit zu einer zukunftssicheren Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie.

 

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