Wie können Lieferketten widerstandsfähiger werden?

Beitrag von Michael Finkler

Geschäftsführer Business Development, Proalpha Group

04. Juni 2026

Das aktuell drängende Thema Resilienz sollte im Kern des Unternehmens – dem ERP-System – angegangen werden. Dies kann mithilfe spezieller, KI-basierter Anwendungen erreicht werden.

 

Unternehmen in Deutschland stehen vor immensen Herausforderungen. Die Energie- und Rohstoffkosten steigen aufgrund politischer Entscheidungen auf zuvor unvorstellbare Höhen. Hinzu kommt ein anhaltender Rohstoffmangel, der sich besonders negativ auf Primärprodukte der Elektronik- und Stahlindustrie auswirkt. Dies führt weltweit zu angespannten Lieferketten und damit zu Produktionsengpässen und langen Lieferzeiten.

Um dem standzuhalten, müssen die Lieferketten der KMU-Fertigungsindustrie widerstandsfähiger werden. Ihre Funktionsfähigkeit ist bereits seit einiger Zeit eingeschränkt, da die erwähnten massiven Störungen die weitverzweigten globalen Lieferketten aus dem Gleichgewicht gebracht haben. Daher besteht Handlungsbedarf – wie eine Gartner-Umfrage zu Beginn der COVID-19-Krise bestätigt. Nur 21 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, über ein sehr widerstandsfähiges Netzwerk zu verfügen.

 

Transparenz als Voraussetzung für Resilienz

Gartner definiert Resilienz primär als Transparenz der Unternehmensprozesse und die damit verbundene Reaktionsfähigkeit. Beschaffungs-, Produktions- und Vertriebsaktivitäten lassen sich so schnell verlagern. Unternehmen sollten daher auch in eine individuell auf ihre Geschäftsprozesse zugeschnittene Planung investieren. Diese Prozesse sollten jedoch nicht monatlich, sondern stündlich oder zumindest täglich durchgeführt werden.

Dies gewährleistet ausreichende Lagerbestände für kritische Produktionsschritte und minimiert die Abhängigkeit von Zulieferern. Unternehmen müssen daher das Lieferkettenrisikomanagement als mehrstufige Transparenz verstehen. Viele Unternehmen haben Einblick in ihre direkten Zulieferer (Tier 1), jedoch nicht in die der vierten oder fünften Ebene.

Mehr Resilienz durch künstliche Intelligenz

Transparenz in allen Bereichen – von Vertrieb und Bau über Beschaffung bis hin zum Service – ist unerlässlich, reicht aber allein nicht aus, um die Resilienz des Unternehmens zu stärken. Es gilt auch, ineffiziente Geschäftsprozesse zu identifizieren, zu automatisieren und intelligenter zu gestalten, um nachhaltigere Prognosen zu erstellen. Hier kommt KI in Verbindung mit ERP ins Spiel.

Zunächst müssen KI-geeignete Prozesse und Anwendungsszenarien identifiziert werden. Anwender und Endkunden sollten zudem die Expertise erfahrener Anbieter von ERP+-Lösungen in Anspruch nehmen. Insbesondere für mittelständische Unternehmen ist es wichtig, verschiedene Services zu nutzen, beispielsweise ERP mit KI, sowohl in der Analytik als auch in Prozessen, einschließlich semantischer Wissensverarbeitung und digitaler Assistenten. Wertschöpfende KI-Anwendungen können dann für spezifische Workflows, Prozesse oder Funktionalitäten eingesetzt werden.

 

Die Datenqualität ist entscheidend

Der intelligente Einsatz der Digitalisierung gewährleistet reibungslose Prozesse entlang der gesamten Lieferkette. Qualität und Quantität der Stamm- und Transaktionsdaten sind hierbei jedoch entscheidend, da sie die Effizienz der Prozesse – auch der KI-gestützten – beeinflussen. Unternehmen sollten daher eine hohe Datenqualität sicherstellen, um die Nutzbarkeit von KI-Prozessen im ERP-System zu gewährleisten. Folgende Punkte sind zu beachten:

    • Suchen Sie nach Prozessen, die für den Erfolg entscheidend sind.
    • Definition der Qualitätskriterien
    • Überprüfung vorhandener Datenpools
    • Eliminierung von Duplikaten
    • Erstellung einzigartiger Daten
    • Kontinuierliche Überprüfung und Pflege der Daten

Nur wenn dies umgesetzt wird, lässt sich die Informationsqualität langfristig verbessern und eine zentrale Datenquelle etablieren, in der jede Information nur einmal verfügbar und jederzeit abrufbar ist. Unternehmen müssen jedoch regelmäßig automatisierte Qualitätskontrollen, Plausibilitätsprüfungen, Workflows, Datenbereinigungen und definierte Regeln für neu erfasste Daten durchführen oder einrichten.

 

Optimierung von Wartung und Reparaturen mithilfe von KI

Das ERP-System kann als digitaler und KI-gestützter Prozess- und Datenknotenpunkt betrachtet werden – hier laufen alle Informationen zusammen. Voraussetzung für den gewinnbringenden Einsatz von KI ist jedoch die Erfassung von Produktionsdaten in Echtzeit, die Suche nach Planabweichungen und die visualisierte Darstellung der Ergebnisse. Transparenz und Information sind hierbei entscheidend. Nur so kann die eingesetzte Technologie optimal mit den Mitarbeitern zusammenarbeiten. Das Beispiel der vorausschauenden Wartung von Systemen verdeutlicht die Bedeutung der Akzeptanz von KI sowie ihrer Transparenz und Erklärbarkeit: Gibt ein KI-Dienst einen Alarm aus, müssen die Nutzer nachvollziehen können, warum die Warnung ausgelöst wurde.

Dies lässt sich auch auf andere KI-Dienste übertragen. Mit der Übernahme von Empolis setzt Proalpha diese Theorie in die Praxis um und stellt Servicemitarbeitern das benötigte Wissen schnell und kontextbezogen zur Verfügung. Die KI-Integration ermöglicht Unternehmen den rund um die Uhr verfügbaren Zugriff auf wichtige Serviceinformationen. Mithilfe von Entscheidungsbäumen führt das System mit KI-Unterstützung und Lernfähigkeit zu optimalen Lösungen. Dadurch können Reparatur- und Wartungsarbeiten schneller durchgeführt und abgewickelt werden.

 


Weitere Artikel zum Schwerpunkt „Cognitive Supply Chain Resiliency / Multi-Tier Visibility“

 

Kommentar hinzufügen