Studie: Personalabteilungen gewinnen an Einfluss

Beitrag von Dr. Dietmar Müller

Chefredakteur Beyond Buzzwords

13. März 2026

Das HR-Management nimmt eine immer wichtigere Rolle im Unternehmen ein, ist aber schlecht gerüstet: Nur wenige Prozent verfügen über HR-Dashboards oder spezialisierte HR-Datenanalysten. Viele erfassen ihre HR-Daten immer noch größtenteils manuell.

HR-Abteilungen haben sich in vielen deutschen Unternehmen zu einer strategisch relevanten Position entwickelt. Die Funktionsbezeichnungen spiegeln diese Entwicklung wider: 22 Prozent agieren als Chief HR Officer, weitere neun Prozent als Chief People Officer. Das ist ein Indikator dafür, dass die HR-Abteilung deutlich näher an strategischen Entscheidungsprozessen angesiedelt ist. Das zeigt die aktuelle Studie „HR Health Check“ des HR-Plattformanbieters HiBob unter 500 Fachkräften.

Dem gestiegenen Anspruch stehen jedoch begrenzte Ressourcen gegenüber. In 41 Prozent der Unternehmen arbeiten zwischen sieben und 19 Mitarbeitende im HR-Bereich. Diese vergleichsweise kleinen Teams tragen zunehmend strategische Verantwortung und müssen gleichzeitig das operative Tagesgeschäft sowie umfassende Veränderungsprozesse bewältigen.

 

HR-Analytics vielfach mit niedrigem Reifegrad

Deutlich wird der strukturelle Nachholbedarf beim Umgang mit HR-Daten. Nur 18 Prozent der Unternehmen verfügen über HR-Dashboards, lediglich 16 Prozent beschäftigen spezialisierte HR-Datenanalysten. 22 Prozent arbeiten überwiegend mit grundlegenden Kennzahlen, elf Prozent erfassen HR-Daten größtenteils manuell. Künstliche Intelligenz kommt zwar zunehmend zum Einsatz, bleibt jedoch meist ein Hilfsmittel. Lediglich zehn Prozent der Unternehmen setzen sie bereits als zentralen Bestandteil ihrer Analyseprozesse ein.

 

Steigende Belastung und wachsendes Burnout-Risiko

Besonders kritisch ist die Belastungssituation im HR-Bereich. 58 Prozent der Befragten berichten von einer höheren emotionalen Belastung als im Vorjahr. Entsprechend sehen 72 Prozent Gesundheit und Wohlbefinden als zentrales HR-Thema für 2026. Ein Drittel der HR-Verantwortlichen hält Burnout bereits für ein potenziell zentrales Geschäftsrisiko. Die Auswirkungen sind konkret: 48 Prozent beobachten eine steigende Fluktuation, 40 Prozent eine Verschlechterung der internen Kommunikation.

Der anhaltende Fachkräftemangel verschärft diese Lage zusätzlich. 76 Prozent der Unternehmen berichten von spürbaren bis starken Auswirkungen in den vergangenen zwölf Monaten, für 65 Prozent bleibt das Thema auch 2026 hochrelevant. Entlastung bleibt damit aus, während die Erwartungen und die Verantwortung weiter steigen.

 

Zwischen Präsenzpflicht und begrenzter Flexibilität

Bei den Arbeitsmodellen zeigt sich ein konservatives Bild. 40 Prozent der Unternehmen setzen auf vollständige Präsenz im Büro. Hybride Modelle haben sich zwar etabliert, bleiben aber klar strukturiert: 27 Prozent arbeiten mit festen Präsenztagen, 28 Prozent erlauben flexible Regelungen. Vollständig remote arbeitende oder Organisationen mit Remote-First-Ansatz spielen mit insgesamt fünf Prozent weiterhin eine marginale Rolle.

Die Studie zeigt: HR-Management ist heute strategisch wichtiger denn je, doch die Ressourcen und Strukturen halten mit den gestiegenen Anforderungen oft nicht Schritt. Damit die HR-Abteilung ihre zentrale Rolle nachhaltig ausfüllen kann, braucht es klare Prioritäten, gezielte Investitionen in Technologie und eine starke Unterstützung durch die Unternehmensführung.

„Die Ergebnisse unserer Studie machen deutlich: Die Erwartungen an Personalabteilungen sind enorm gestiegen, und viele Teams arbeiten weiterhin am Limit“, erklärt Melanie Wagner, Country Manager DACH bei HiBob. „Unternehmen müssen handeln, um ihre HR-Abteilungen zu entlasten und fit für die Zukunft zu machen. Nur so können sie den Wandel aktiv gestalten und ihre Mitarbeitenden langfristig binden.“


Über die Studie

Die Ergebnisse beruhen auf einer unabhängigen Umfrage, die von HiBob in Auftrag gegeben und von Pollfish durchgeführt wurde. Die Umfrage fand zwischen dem 1. November und 13. November 2025 statt. Insgesamt wurden 500 Personalverantwortliche aus deutschen Unternehmen befragt.

 

Kommentar hinzufügen