In unserer Interviewreihe zu Trends und Buzzwords befragen wir heute mit Sebastian Mayr den amtierenden 24h-Zeitfahrweltmeister im Ultra-Cycling, und das aus gutem Grund: Er ist auch als Senior Account Manager Bundeswehr/BWI bei NetApp ausgewiesener Experte für moderner Dateninfrastrukturen. Das wichtigste sei immer das Verständnis für Daten, egal ob auf dem Fahrrad oder in der IT.
Sebastian Mayr verantwortet als Senior Account Manager Bundeswehr/BWI bei NetApp die Zusammenarbeit mit den deutschen Streitkräften im Bereich moderner Dateninfrastrukturen. Zuvor war er mehrere Jahre bei Airbus Defence and Space sowie Airbus Helicopters in leitenden Key-Account- und Programm-Management-Positionen tätig, unter anderem für Future Combat Air System (FCAS) und militärische Forschungs- und Technologiesysteme.
Seine Laufbahn begann er bei Rheinmetall Landsysteme und MAN Truck & Bus in technischen und vertrieblichen Funktionen. Mayr studierte Wirtschaftswissenschaften an der Hochschule Kempten sowie Business Management an der Ulster University in Nordirland. Noch beeindruckender als sein beruflicher Werdegang ist allerdings die Tatsache, dass Mayr amtierender 24h-Zeitfahrweltmeister im Ultra-Cycling ist. Dadurch weiß er aus erster Hand, dass Spitzenleistung kein Zufall ist. Für ihn führen in der IT die gleichen Prinzipien zum Erfolg wie im Spitzensport: Eine datenbasierte Strategie, maximale Effizienz und absolute Zuverlässigkeit sind die entscheidenden Faktoren, um unter Dauerbelastung Bestleistung zu erbringen.
Beyond Buzzwords: Herr Mayr, wir sprechen über Hypes. Haben Sie jemals einen erlebt, der sich für Sie im Nachhinein als doch wertvoll herausgestellt haben – obwohl Sie anfangs skeptisch waren?
Ein perfektes Beispiel dafür ist die künstliche Intelligenz (KI). Als ich mich damit näher beschäftigt habe, hat mich das gewaltige Potenzial, das gerade für Unternehmen darin steckt, wirklich beeindruckt. Der wahre Wert liegt dabei gar nicht in der Technologie selbst, sondern wie sie ein Unternehmen verändern kann: Mit KI kann man Prozesse nicht nur automatisieren, sondern intelligent gestalten und aus riesigen Datenmengen fundierte Entscheidungen treffen. Da wurde mir klar: Für Unternehmen geht es nicht mehr darum, ob sie KI einsetzen, sondern wie sie es tun, um innovativ zu bleiben und sich im Wettbewerb zu behaupten. Und der alles entscheidende Faktor, der den Hype dann in echten Geschäftswert verwandelt, ist am Ende die Fähigkeit, die dafür notwendigen Daten schnell und flexibel bereitzustellen.
Welcher Hype bzw. welches Buzzword nervt Sie aktuell und warum?
Ein Buzzword, das mich aktuell stört, ist „Nachhaltigkeit“. Besonders im Public Sector, in dem ich tätig bin, sollte dies eine Selbstverständlichkeit sein und nicht wie ein temporärer Trend behandelt werden. Wahre Nachhaltigkeit entsteht in der IT nicht durch Marketing, sondern durch eine intelligentere Datenverwaltung, die den Ressourcenverbrauch von Grund auf minimiert. Technologien wie konsequente Datendeduplizierung und moderne All-Flash-Systeme reduzieren den physischen Speicherbedarf und damit den Energieverbrauch drastisch. Gemeinsam mit einer flexiblen Hybrid-Cloud-Strategie wird Nachhaltigkeit so vom Schlagwort zu einem messbaren Ergebnis, das direkt in der Effizienz der Infrastruktur verankert ist.
Wie gehen Sie heute mit neuen Trends um? Aktuell ist es ja die AI und ihre Agenten.
Ich setze mich gerne mit neuen Trends auseinander und versuche zu verstehen, was wirklich dahintersteckt. Wenn ich merke, dass mir eine Technologie wie KI im Arbeitsalltag oder auch im Privaten einen echten Vorteil bringt, fange ich an, sie gezielt für mich zu nutzen und sinnvoll in meinen Alltag zu integrieren.
Ist der Hype um AI bereits auf seinem Höhepunkt angekommen oder dürfen wir noch mehr erwarten?
Ich denke, hier dürfen wir noch eine ganze Menge erwarten. KI ist noch ziemlich am Anfang: Erst kürzlich hat eine aktuelle IDC-Studie zur KI-Reife in Unternehmen ergeben, dass die Kluft, zwischen den Unternehmen, die nur mit KI experimentieren und denen, die sie wirklich produktiv einsetzen, immer weiter zunimmt. Erfolgreiche Unternehmen haben verstanden, dass es nicht nur um den Algorithmus geht, sondern um eine einheitliche Dateninfrastruktur und die passende Strategie. Der Hype ist also noch lange nicht vorbei. Die eigentliche Arbeit besteht darin, KI aus der Experimentierphase herauszuholen und sie zu einem verlässlichen, nützlichen Werkzeug im Unternehmensalltag zu machen.
Herr Mayr, Sie sind nicht nur Experte für IT, sondern auch Als amtierender 24h Zeitfahrweltmeister im Ultra-Cycling. Welchen Hype gibt es im Radsport aktuell?
Tatsächlich müssen Daten auch im Sport bereit für künstliche Intelligenz sein. Ein großer Hype im Radsport sind aktuell KI-basierte Trainingsplattformen. Dabei analysiert eine künstliche Intelligenz unzählige Leistungs- und Vitaldaten, um daraus einen dynamischen und individuell abgestimmten Trainingsplan für die Athleten zu erstellen.
Wie unterscheiden sich Hype-Szenarien im Sport und im Business?
Offen gestanden gibt es da kaum einen Unterschied. Im Sport wie im Business gibt es immer die einen, die sofort auf jeden neuen Hype aufspringen und auf den entscheidenden Vorteil hoffen. Und auf der anderen Seite stehen die, die sich an das klammern, was sie kennen – ganz nach dem Motto: „Lief doch bisher immer gut!“
Das Spannende ist, dass die Kluft zwischen diesen beiden Lagern immer größer wird, ganz egal ob bei Athleten oder Firmen. Letztlich läuft es in beiden Welten auf dasselbe hinaus: Entweder du probierst etwas Neues und hast die Chance zu gewinnen, oder du bleibst beim Bewährten und riskierst, abgehängt zu werden.
Ist der angeblich eher behäbige Public Sector gegen falsche Hypes besser gewappnet?
Ähnlich wie beim Ultra-Cycling kommt es auch beim Public Sector auf einen langen Atem und Durchhaltefähigkeit an. Kurzlebige Hypes, die auf schnelle und oft nur oberflächliche Erfolge abzielen, passen einfach nicht zu den langfristig ausgelegten Planungs- und Beschaffungszyklen. Diese vermeintliche Trägheit wirkt hier wie ein natürlicher Filter: Oft sind solche Trends schon wieder vom Markt verschwunden, bevor im öffentlichen Sektor überhaupt eine Entscheidung darüber getroffen wurde. So konzentriert man sich automatisch auf die wirklich wichtigen Innovationen, ohne jeder Modeerscheinung folgen zu müssen.
Wie beeinflusst Ihre Doppelrolle als IT-Experte und Weltmeister Ihre Bewertung von Trends – übertragen Sie Methoden aus dem Sport auf die Tech-Welt - und umgekehrt?
Ja, absolut. Die beiden Welten bedingen sich bei mir gegenseitig. Im Leistungssport ist man heute durch die Datenerfassung quasi „gläsern“. Diese Methodik, aus Analysen eine klare Strategie abzuleiten, übertrage ich auf Geschäftsentscheidungen in der IT. Umgekehrt hilft mir mein technisches Verständnis im Sport, die Bedeutung einer sauberen und performanten Datenbasis zu erkennen, um aus der Informationsflut überhaupt erst einen Vorteil zu ziehen. Letztlich ist das Ziel in beiden Disziplinen dasselbe: Durch die intelligente Nutzung von Daten die eigene Leistungsgrenze immer weiter zu verschieben.
Welche Rolle spielt Datenkompetenz sowohl in der IT als auch im Sport? Wie unterscheiden sich aussagekräftige und überbewertete Metriken?
Egal ob im Ultra-Cycling oder in der IT, am Ende kommt es darauf an, die Daten auch richtig zu lesen. Man kann sich so leicht auf eine einzelne Zahl versteifen, die aber oft wertlos ist, wenn man das große Ganze nicht sieht. Der wahre Wert entsteht erst im Zusammenspiel aller relevanten Daten und wird so zur wertvollen Information für strategische Entscheidungen. So wie in der IT unterschiedliche Systeme nahtlos zusammenarbeiten müssen, um eine leistungsstarke Architektur zu bilden, entfaltet auch ein Datensatz im Sport erst im Gesamtkontext seine volle Aussagekraft.
Welcher Trend hat Sie in der IT/im Radsport überzeugt, den Sie am Anfang skeptisch gegenüberstanden und warum?
Ein gutes Beispiel ist das Krafttraining im Radsport, dem ich anfangs wirklich skeptisch gegenüberstand. Ich war überzeugt, Radfahren allein sei alles, was zählt, musste aber lernen, dass erst ein starker Rumpf dem Körper die nötige Stabilität und Resilienz für die extremen Belastungen verleiht. Und genau diese Erkenntnis lässt sich eins zu eins auf die IT übertragen: Es ist nicht die einzelne Applikation, die den Erfolg bringt, sondern die Widerstandsfähigkeit der gesamten Infrastruktur dahinter, die das System auch unter Höchstlast stabil und leistungsfähig hält.
Herr Mayr, wir danken für dieses äußerst aufschlussreiche Gespräch.
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