Lange Zeit wurde beschwichtigt, doch nun liefert eine neue Studie den Beweis: Die KI und ihre Agenten werden viele Arbeitsplätze überflüssig machen. HR-Manager müssen sich auf eine völlig neue Situation einstellen, verspricht doch der KI-Einsatz beim Personalwesen einen schnellen Return on Investment. Und dann kommen auch noch die Roboter.
Künstliche Intelligenz (KI/AI) ist ein Game Changer für alle Bereiche der Wirtschaft, deren Auswirkungen lange unterschätzt wurden. Doch der jüngste „Wirtschaftsreport“ der Management-Community United Interim, für den 500 Interims-Manager befragt wurden, lässt keinen Zweifel mehr zu: Die KI wird zu massivem Stellenabbau führen, wir erleben gerade erst eine erste Welle.
Allerdings befürchten nicht einmal ein Zehntel (acht Prozent) der Befragten eine Massenarbeitslosigkeit. „Der große KI-Kahlschlag wird ausbleiben, aber dennoch werden natürlich viele Arbeitsplätze, insbesondere solche, die durch repetitive Tätigkeiten charakterisiert sind, entfallen“, so Studienautorin Jane Enny van Lambalgen. Vor allem die sogenannte Sachbearbeitungsebene wird personell ausgedünnt werden, sind 77 Prozent der Fachleute überzeugt. Aber weit weniger als ein Drittel davon (27 Prozent) geht von Massenentlassungen auf dieser Ebene aus. „Viele der Baby Boomer stehen kurz vor der Rente und werden dann einfach nicht mehr ersetzt“, erläutert Roland Streibich, ein weiterer Studienautor. Im mittleren Management erwartet gut die Hälfte (52 Prozent) der Führungskräfte auf Zeit den Abbau von Hierarchien durch KI, aber lediglich 13 Prozent gehen von schmerzhaften Einschnitten aus. „Der beste Weg, den eigenen Arbeitsplatz zu sichern, besteht darin, sich selbst zum KI-Experten zu entwickeln, statt sich dagegen zu stemmen“, rät Ulvi Aydin.
Gut ein Drittel (34 Prozent) stuft KI-Anwendungen als Ersatz für nicht vorhandene Fachkräfte gar als „kritisch“ für die deutsche Wirtschaft ein. „Unternehmen, die KI nicht aktiv nutzen, riskieren den Verlust von Aufträgen. Sie verlieren darüber hinaus auch Geschäft, wenn sie mit digitalisierten Wettbewerbern nicht mehr mithalten können“, sagt Ulf Camehn.
Wichtigste Einsatzgebiete für KI
In welchen Abteilungen und auf welchen Fachgebieten rechnet sich der KI-Einsatz für die Unternehmen am schnellsten und am meisten, wollte Studienleiter Dr. Harald Schönfeld von United Interim von den 550 befragten Interim Managern wissen. An erster Stelle steht dabei mit Abstand die Kundenkommunikation, also der Customer Service, mit 66 Prozent Zustimmung.
„Mit einem KI-gestützten Kundenservice lassen sich drei Vorteile auf einmal erzielen: Prozesse automatisieren, Effizienz steigern und ein außergewöhnliches Kundenerlebnis kreieren„, erklärt Christian Florschütz, der vor wenigen Wochen von der Dachorganisation Österreichisches Interimmanagement (DÖIM) als „Interim Manager des Jahres 2025“ ausgezeichnet wurde.
Auf dem zweiten Platz beim KI-Einsatz liegen Logistik und Supply Chain Management mit 58 Prozent (Mehrfachnennungen waren erwünscht). Den dritten Platz teilen sich Geschäftsprozessoptimierung sowie Einkauf und Beschaffung mit 53 Prozent. Auf dem vierten Rang befinden sich Vertrieb und Marketing (52 Prozent). „Im Vertrieb rechnet sich jedes KI-Projekt binnen eines halben Jahres“, weiß Eckhart Hilgenstock von seinen Projekten zu berichten. An fünfter Stelle stehen Forschung und Entwicklung sowie das Kostenmanagement (Controlling) mit 51 Prozent.
KI im Personalwesen
Beim Personalwesen verorten 36 Prozent der Führungskräfte auf Zeit einen schnellen Return on Invest in KI. Weitere 49 Prozent halten die KI-Einführung im HR-Bereich auf jeden Fall für sinnvoll, selbst wenn sich der Erfolg nicht ganz so schnell einstellen sollte. „KI-gestützte HR-Prozesse sind längst datenschutzkonform umsetzbar. Die Herausforderung liegt nicht in der Technik, sondern häufig in der Bereitschaft der Unternehmen, sich mit den bestehenden Lösungen auseinanderzusetzen“, weiß Ulf Camehn aus der Betriebspraxis zu berichten. Auffallend: Im Topmanagement stößt der KI-Einsatz nur bei 14 Prozent der befragten Interim Manager auf Gegenliebe. An der Firmenspitze sind menschliche Köpfe offenbar weiterhin gefragter als „denkende Computer“.
Aufmarsch humanoider KI-Roboter
In der Produktion und Logistik erwarten die Interim Manager den Aufmarsch einer neuen Generation humanoider KI-Roboter. „Durch eine dem Menschen nachempfundene Gestalt sind sie flexibel einsetzbar und können dank Künstlicher Intelligenz autonom handeln“, beschreibt Karlheinz Zuerl, was auf die deutsche Industrie zukommt.
Zuerl, von United Interim als „Interim Manager des Jahres 2024“ ausgezeichnet, ist hauptsächlich in Asien aktiv und kennt die „neue KI-Roboterwelt“ schon aus den dortigen Fertigungsstätten. In Fernost wächst nach seinen Beobachtungen der Anteil „menschenfreier Zonen“ in der Produktion rasant an. Der Hintergrund: Sobald die Roboter unter sich sind, können sie mit viel höherer Geschwindigkeit arbeiten als in gemischten Zonen, in denen Sicherheitsbelange der Belegschaft zu berücksichtigen sind.
Ulf Camehn zeigt die Entwicklung auf: „Wer heute noch glaubt, humanoide KI-Roboter seien Zukunftsmusik, unterschätzt die Geschwindigkeit der technologischen Entwicklung. In wenigen Jahren werden sie zum festen Bestandteil nahezu aller Branchen gehören.“ Jane Enny van Lambalgen ergänzt: „Über Leasingmodelle wird diese neue Robotergeneration auch für mittelständische Unternehmen erschwinglich werden, so dass auch der Mittelstand von den enormen Produktivitäts- und Kostenvorteilen dieser Entwicklung profitieren kann“. Ruben Faust ist sicher: „Wir werden in den nächsten Jahren eine neue Welle von Industrie-Startups entstehen sehen, die sich die universelle Einsetzbarkeit der KI-Humanoiden zunutze machen.“
Zur Studie:
United Interim ist eine Online-Community für qualitätsgeprüfte Interim Manager in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Reichweite erstreckt sich auf weit über 12.000 Führungskräfte auf Zeit in der DACH-Region. Aus dieser Gruppe heraus haben zehn der erfahrensten und renommiertesten Interim Manager gemeinsam mit United Interim eine Studie über den Stand und die Zukunft der deutschen Wirtschaft durchgeführt. Diese zehn Elite Interim Manager sind Dr. Bodo Antonic, Ulvi Aydin, Ulf Camehn, Ruben Faust, Christian Florschütz, Eckhart Hilgenstock, Jane Enny van Lambalgen, Klaus-Peter Stöppler, Roland Streibich und Karlheinz Zuerl. Die Studienleitung obliegt Dr. Harald Schönfeld und Jürgen Becker als Gründer und Geschäftsführer von United Interim.
An der Befragung für die Studie haben über 550 ausgewählte Interim Manager teilgenommen. Die zehn Autoren haben die Umfrage konzipiert und die Ergebnisse analysiert. „Es gibt wohl keinen Überblick über den KI-Einsatz in der deutschen Wirtschaft mit mehr Praxisnähe“, ist Studienleiter Dr. Harald Schönfeld, Geschäftsführer von United Interim, überzeugt.
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