Agentic AI: Große Lücke zwischen Vision und Realität

Beitrag von Dr. Dietmar Müller

Chefredakteur Beyond Buzzwords

27. Februar 2026

Die Begeisterung ist groß, der tatsächliche Einsatz bleibt aber weit dahinter zurück, zeigt uns eine neue Studie. In Unternehmen tut sich ein „Agentic Gap“ auf, also eine Lücke zwischen dem Potenzial autonomer Agenten und ihrer tatsächlichen Integration in den Geschäftsbetrieb.

Es herrscht eine große Lücke zwischen der Vision für und dem realen Einsatz von KI-Agenten. Obwohl 71 Prozent der Unternehmen angeben, KI-Agenten zu nutzen, haben im letzten Jahr nur 11 Prozent dieser Anwendungsfälle die Produktionsreife erreicht. Zudem befürchten 50 Prozent der Befragten, dass unkontrollierte KI-Agenten das Risiko bergen, Probleme bei schlecht implementierten Prozessen und Automatisierungen noch zu verschärfen.

Das ist das frappierende Ergebnis einer Studie im Auftrag von Camunda, einem Anbieter von Lösungen zur agentenbasierten Automatisierung. Der „2026 State of Agentic Orchestration and Automation Report“ zeigt: Fast drei Viertel (73 Prozent) der befragten Unternehmen erleben diese Lücke ganz real. 

Dem Bericht zufolge experimentieren zwar viele Firmen mit KI-Agenten oder planen deren Einsatz, doch fehlendes Vertrauen bleibt ein wesentliches Hindernis für eine breitere Einführung:

  • 84 Prozent der Befragten befürchten geschäftliche Risiken in laufenden Prozessen, wenn der IT entsprechende Kontrollmechanismen fehlen.

  • 80 Prozent sind besorgt über mangelnde Transparenz hinsichtlich der KI-Nutzung.

  • 66 Prozent nennen Compliance-Bedenken im Zusammenhang mit dem Einsatz von KI-Agenten.

Diese Bedenken führen zu gegensätzlichen Mustern bei der Einführung: 80 Prozent geben an, dass es sich bei dem Großteil der eingesetzten KI-Agenten um Chatbots oder um Assistenten handelt. Sie erstellen lediglich Zusammenfassungen oder beantworten Fragen, können aber keine geschäftskritischen Fälle bearbeiten. Weitere 48 Prozent sagen, dass ihre KI-Agenten in Silos operieren und nicht „end-to-end“ in durchgängige Geschäftsprozesse eingebunden sind.

„Das Nutzenversprechen von KI-Agenten ist unbestritten, aber für die Akzeptanz bleibt Vertrauen die größte Hürde“, kommentierte Kurt Petersen, Senior Vice President Customer Success bei Camunda, die Ergebnisse der Studie. „Viele Unternehmen gehen das Thema vorsichtig an, kommen dabei aber nicht über Pilotprojekte oder isolierte Anwendungsfälle hinaus. Ohne klare Leitplanken und Transparenz bleiben Agenten eine Randerscheinung im Unternehmen. Sobald allerdings eine Vertrauensbasis besteht, können Agenten zu starken Multiplikatoren innerhalb gesteuerter Prozesse werden, statt lediglich isolierte Co-Piloten oder Chatbots zu bleiben.“

Automatisierung bringt Fortschritt, braucht aber mehr Kontrolle

Der Report hebt hervor, dass die Mehrheit (95 Prozent) der Unternehmen im vergangenen Jahr durch Prozessautomatisierung ein gesteigertes Geschäftswachstum verzeichnet hat, während es im Vorjahr noch 87 Prozent waren. Im Durchschnitt haben Unternehmen knapp die Hälfte (48 Prozent) ihrer Prozesse automatisiert und gehen davon aus, dass dieser Wert in Zukunft auf 64 Prozent steigen könnte. Knapp vier von fünf Unternehmen (79 Prozent) planen, ihre Ausgaben für Automatisierung zu erhöhen, wobei die Budgets in den nächsten zwei Jahren voraussichtlich um durchschnittlich 20 Prozent steigen werden.

Gleichzeitig werden Technologie-Stacks zunehmend breit verteilt - und die Anzahl der Endpunkte, die an jedem Prozess beteiligt sind, wächst. Tatsächlich geben mehr als drei Viertel (76 Prozent) der Organisationen an, dass Volumen und Vielfalt der Endpunkte exponentiell zunehmen. Aus diesem Grund sagen 85 Prozent, dass sie bessere Tools benötigen, um die Schnittstellen zwischen Prozessen zu verwalten. Unternehmen stehen somit vor der Herausforderung, den vollen Wert aus ihren Investitionen in KI und Automatisierung zu schöpfen.

„Agentic Orchestration“ ist das neue Betriebsmodell

„Agentic Orchestration“ (Agentenbasierte Orchestrierung) verbindet daher die deterministische und dynamische Orchestrierung von Geschäftsprozessen. Sie nutzt Agenten, um Prozessen dynamisches logisches Denken („Reasoning“) hinzuzufügen, damit diese sich in Echtzeit anpassen können.

Hierzu hebt der Report hervor:

  • 88 Prozent der Befragten sagen, dass KI über Geschäftsprozesse hinweg orchestriert werden muss, um den maximalen Nutzen aus KI-Investitionen zu ziehen.

  • 90 Prozent sind der Meinung, dass KI wie jeder andere Endpunkt innerhalb automatisierter Geschäftsprozesse orchestriert werden muss, um die Compliance zu gewährleisten.

  • 85 Prozent geben an, dass sie noch nicht den richtigen Reifegrad bei ihren Prozessen erreicht haben, um Agentic Orchestration zu implementieren.

„Einzelne Agenten sind nicht der Schlüssel, um die Lücke zwischen KI-Vision und Realität zu schließen, sondern die agentenbasierte Orchestrierung“, so Petersen. „Deterministische Orchestrierung hat schon immer klare Leitplanken etabliert. Dynamische Orchestrierung ermöglicht das logische Denken in End-to-End Prozesssen über KI-Agenten, Menschen und Systeme hinweg. Werden die beiden kombiniert, können Unternehmen eine Basis schaffen, mit der sie KI-Agenten vertrauen. Das ist Enterprise Agentic Automation in der Praxis. So werden Unternehmen KI-Experimente in stabile, geschäftskritische Fähigkeiten verwandeln.“

Über den Report

Camunda hat Coleman Parkes mit der Befragung von 1150 leitenden IT- und Business-Entscheidern und Enterprise-Software-Architekten beauftragt, die für Prozessautomatisierung in großen Organisationen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern verantwortlich sind. Die Befragten verteilen sich geografisch (505 USA, 216 Großbritannien, 216 Frankreich und 215 Deutschland) sowie über verschiedene Branchen. Die Umfrage wurde online zwischen dem 23. September und dem 23. Oktober 2025 durchgeführt.

 

 

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