#Klartext: Die Software-definierte Fabrik ist nicht SPS-frei

Beitrag von Dr. Dietmar Müller

Chefredakteur Beyond Buzzwords

16. September 2026

Warum das Märchen von der vollständig Cloud-gesteuerten Halle gefährlich ist – und weshalb die Speicherprogrammierbare Steuerung auch künftig das unverzichtbare Fundament der Automation bleibt.

In Keynotes und Tech-Artikeln hält sich ein hartnäckiger Mythos: „Die Software-definierte Fabrik macht die klassische SPS überflüssig. Künftig läuft die gesamte Steuerungslogik virtuell in Docker-Containern auf Edge-Plattformen oder direkt in der Cloud.“ Das ist schlichtweg falsch – und in der industriellen Praxis brandgefährlich.

Wer „Software-definiert“ mit „SPS-frei“ verwechselt, ignoriert die Grundgesetze der Physik, die Realität der funktionalen Sicherheit und die ökonomischen Zwänge der Werkshalle.

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| DAS DIE-SOFTWARE-DEFINIERTE-FABRIK-MISSVERSTÄNDNIS |
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| MYTHOS: SPS raus ── Alles wandert in Edge/Cloud-Container |
| REALITÄT: Entkopplung ── SPS macht Echtzeit/Safety (Muskel) |
| Edge/Software macht Orchestrierung (Gehirn) |
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1. Physik lässt sich nicht weg-abstrahieren

Ein Linux-Kernel – selbst mit PREEMPT_RT-Patch – oder ein Kubernetes-Cluster ist kein Ersatz für ein deterministisches Echtzeit-Betriebssystem. Wenn eine Hochgeschwindigkeitsachse auf Bruchteile eines Millimeters positionieren muss oder eine Ventilschaltzeit im Mikrosekundenbereich gefordert ist, zählt jeder Jitter im Netzwerk.

    • Standard-Ethernet und IT-Container-Orchestrierungen bieten keine Garantie für Latenzen unter 1 ms.
    • Wenn ein Netzwerkpaket im Switch hängen bleibt oder ein Container im Hintergrund Garbage Collection betreibt, gerät die Aktorik ins Schwingen.

Die SPS ist genau für diese Anforderung gebaut: unerbittlicher, kompromissloser Determinismus.

2. Die Safety-Grenze steht felsenfest

Funktionale Sicherheit - Safety nach SIL / Performance Level - lässt sich nicht mal eben in ein Python-Skript oder eine Server-VM auslagern. Eine Lichtschranke, die beim Durchgreifen eines Werkers die Presse in 20 Millisekunden stoppen muss, benötigt hardwareseitig zertifizierte, ausfallsichere Schaltkreise.

Kein Sicherheitsbeauftragter der Welt zeichnet eine Anlagenarchitektur ab, bei der ein Not-Halt-Signal über unzertifizierte IT-Switches oder Docker-Netzwerke geroutet wird. Safety verbleibt auf der Steuerung.

3. Die Entkopplung ist die Lösung – nicht die Entsorgung

Warum kämpfen wir dann überhaupt für die Software-definierte Fabrik? Weil die SPS in der Vergangenheit mit Aufgaben überfrachtet wurde, für die sie nie gedacht war:

    • Das Verwalten hunderter Rezepturvarianten.
    • Das Mühsame Parren von JSON-Strings für das MES.
    • Das Verdrahten komplexer, sich ständig ändernder Prozessschrittketten.

Genau hier setzt die modernisierte Architektur an. Es geht nicht darum, die SPS abzuschaffen, sondern sie von der veränderlichen Prozesslogik zu befreien.

Die neue Rollenteilung:

Die SPS verliert ihre Rolle als unübersichtlicher Monolith und wird zum hochspezialisierten Echtzeit-Muskel. Sie stellt atomare Skills über herstellerneutrale Schnittstellen wie OPC UA oder AAS bereit. Das Gehirn – die dynamische Orchestrierung dieser Skills – wandert auf die Edge-Ebene.

Fazit: Hört auf, gegen die SPS zu kämpfen! Die Software-definierte Fabrik der Zukunft ist kein Entweder/oder, sondern ein eingespieltes Team:

    • Die SPS liefert Ausführungssicherheit, Echtzeit und funktionale Safety.
    • Die Edge-Software liefert Flexibilität, Skill-Orchestrierung und ERP-Anbindung.

Wer das versteht, verbrennt kein Geld bei dem Versuch, das Rad der Steuerungstechnik neu zu erfinden. Er nutzt die vorhandene Stärke der SPS im Brownfield und baut darauf eine flexible, zukunftsfähige Software-Architektur auf.

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Die Software-definierte Fabrik
 

Zwischen Echtzeit-Anforderungen, funktionaler Sicherheit und gewachsenen Anlagenstrukturen scheint mehr Flexibilität im Brownfield oft unmöglich. Dieses Whitepaper zeigt, wie skillbasierte Architekturen SPS-Funktionen kapseln, Modernisierung vereinfachen und den Weg zur software-definierten Fabrik ebnen.

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