Der Boom der KI befeuert ganz nebenbei auch die Entwicklung humanoider Roboter. Firmen, die an deren Entwicklung sitzen, werden mit Investorengeldern überschüttet. Mit Aneli Capital warnt nun ein bekanntes Fondsmanagementunternehmen vor einer spektakulären Blasenbildung in diesem Bereich.
Mehr als die Hälfte aller weltweiten Investitionen im vergangenen Jahr flossen in den Markt für künstliche Intelligenz (KI). Das belegen Zahlen aus den jüngsten Venture-Capital-Berichten von KPMG und PitchBook. Daten von CB Insights belegen zudem, dass sich dabei das Interesse gerade auf industrielle humanoide Robotik verlagert. Daher warnte Aneli Capital, das einen 35-Millionen-Euro-Fonds für Frühphasen-Start-ups in Mittel- und Osteuropa verwaltet, vor einer Blasenbildung, weil zu viele Start-ups Durchbrüche ohne kommerzielle Belege versprächen.
Daiva Rakauskaitė, Partnerin und Manager von Aneli Capital, sieht starke Ähnlichkeiten zwischen dem heutigen KI-basierten Investitionsboom und der Dotcom-Blase Anfang der 2000er Jahre. Sie erwartet, dass die „KI-Blase“ in zwei bis drei Jahren platzen wird: "Viele KI-Startups, die noch keinen Umsatz erzielen können, werden scheitern. Die gleichen Risiken bestehen auch im Bereich humanoider Robotik - viele Investoren neigen jedoch dazu, dies zu übersehen.“ Es sei wichtig, Robotik von humanoider Robotik zu unterscheiden: Industrie- und Logistikroboter generierten bereits Umsätze und könnten messbare Ergebnisse liefern, während Humanoide ihren kommerziellen Wert erst noch nachweisen müssten.
Viel Show, wenig Anwendung
Derzeit demonstrieren Unternehmen weltweit Prototypen von Robotern, die Aktionen vom Laufen bis zum Boxen ausführen, so Rakauskaitė, und das wecke das Interesse von Nutzern und Investoren. „In der realen Welt haben sie jedoch nur wenige praktische kommerzielle Anwendungen.“
Ähnliche Herausforderungen bestünden auch für industrielle humanoide Robotik. Entsprechende Unternehmen stünden vor Herausforderungen hinsichtlich der Entscheidungsfindung in Echtzeit, der Fingerfertigkeit, der Zuverlässigkeit und den Kosten. Wie aus dem Bericht von CB Insights hervorgehe, beschränkten sich Anwendungsfälle aktuell auf Fabriken und Lagerhäuser mit vorhersehbaren Aufgaben. Rakauskaitė fordert VCs daher auf, gerade jetzt, wo Investitionen von Hype getrieben werden, die Fundamentaldaten nicht zu vergessen und eine „Umsatz-zuerst-Philosophie“ zu priorisieren: Echtes Geld sei wichtiger als Wachstum um jeden Preis.
„Investitionen in Robotik und KI sind entscheidend für die zukünftige Entwicklung der Menschheit. Aber Investoren sollten diszipliniert bleiben und Unternehmen unterstützen, die realistische Ziele haben, die auf wirtschaftlichen und nicht auf Hype basieren. Von Anfang an sollten Start-ups frühe Einnahmequellen durch Lizenzierungen, Partnerschaften anstreben und ein klares Modell der Monetarisierung in naher Zukunft haben“, so Rakauskaitė.
Trotz der Anzeichen für eine Blasenbildung in der humanoiden Robotik blickt sie zuversichtlich auf den Robotiksektor, der durch günstigere Hardware und schnelle Fortschritte in der KI einen echten Aufschwung erlebe. Nicht zuletzt in Deutschland, das den größten Markt für industrielle Robotik in Europa darstelle.
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