Das ERP-System als Hebel für mehr Nachhaltigkeit

Beitrag von Dr. Dietmar Müller

Chefredakteur Beyond Buzzwords

01. Mai 2026

Ein modernes ERP-System kann Ihrem Unternehmen zu mehr Nachhaltigkeit verhelfen. Heutzutage bemisst sich der Erfolg eines Unternehmens nicht mehr allein an seinen finanziellen Ergebnissen. Bewerber, Mitarbeiter, Kunden und Investoren erwarten zunehmend einen stärkeren Fokus auf Nachhaltigkeit, die bereits im Enterprise Resource Planning angelegt sein muss.


Das Profil eines ERP-Systems hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt – von einem reinen Bestandsverwaltungstool zum Rückgrat der digitalen Transformation. Zuletzt hat es eine weitere Schlüsselfunktion übernommen: Es dient nun als zentrale Drehscheibe für ein nachhaltigeres Wirtschaften.

Elementarer Bestandteil ist dabei das Produktlebenszyklusmanagement (PLM) – mit ihm schaffen Unternehmen die Basis für eine Kreislaufwirtschaft. Grundlage hierfür ist ein funktionales Lieferantenmanagementsystem. Dieses ist unerlässlich für papierlose Prozesse entlang der Lieferkette, da es die Verwaltung von Dokumenten zum Nachweis und zur Verifizierung nachhaltiger und ethischer Produktionsbedingungen ermöglicht. Ein modernes ERP-System gewährleistet die lückenlose Rückverfolgbarkeit von Chargen und Serien bis zum Ursprung des verwendeten Materials.

Auch eine vorausschauende Wartung trägt dazu bei, nicht nur weil sie die Lebensdauer von Produkten und Maschinen verlängert, sondern auch weil sie den unnötigen Austausch von Ersatzteilen und damit einen übermäßigen Materialverbrauch vermeidet. Der Wunsch nach mehr Nachhaltigkeit beflügelt zudem neue Geschäftsmodelle wie Miete, nutzungsbasierte Abrechnung, Rückgabe und Wiederaufbereitung. Hersteller und ERP-Systeme müssen diese Entwicklung berücksichtigen.

Die Umstellung auf einen nachhaltigeren Betrieb erfordert Veränderungen im gesamten Unternehmen. Viele davon betreffen die Kernprozesse und damit auch das ERP-System. Ohne moderne Software ist es daher nahezu unmöglich, die Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Eine solche moderne Software stellt etwa der digitale Produktpass (DDP) dar, der ab 2027 Pflicht wird.

Er wird damit zu einer zentralen Anforderung für europäische Fertigungsunternehmen, um Nachhaltigkeit und Transparenz digital abzubilden. Unternehmen sollten sich frühzeitig auf die Einführung vorbereiten, da der digitale Produktpass weit über eine bloße regulatorische Pflicht hinausgeht und neue Marktchancen durch datengetriebene Resilienz eröffnet.

Wie verändern KI und neue digitale Kompetenzen die Arbeit?

Bereits über die Hälfte der Fertigungsunternehmen nutzt KI, um Bestände und Lieferketten effizienter zu steuern. Innerhalb von PLM-Systemen beschleunigt die Technologie die Bereitstellung von Informationen, was auch die Pflege der Daten für den digitalen Produktpass erheblich vereinfacht.

Trotz dieser Vorteile bleibt die Skepsis in der DACH-Region mit 29 Prozent vergleichsweise hoch, was oft an einer spürbaren Kompetenzlücke in den Teams liegt. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen Betriebe einiges in die Weiterbildung investieren. Angesichts von über 163.600 fehlenden MINT-Fachkräften allein in Deutschland wird die digitale Kompetenz zum kritischen Erfolgsfaktor. Der souveräne Umgang mit KI, digitalen Zwillingen und dem DPP gehört künftig zum Standardprofil in fast allen Abteilungen, vom Qualitätsmanagement bis zum Kundenkontakt.

Der Produktpass als Schlüssel zu resilienten Lieferkette

Geopolitische Risiken zwingen Unternehmen dazu, ihre Produktion regionaler aufzustellen und Abhängigkeiten zu reduzieren. In diesem instabilen Umfeld müssen Hersteller in der Lage sein, in Echtzeit auf Risiken zu reagieren. Der digitale Produktpass unterstützt diese Resilienz, indem er lückenlose Transparenz über die Herkunft und Beschaffenheit aller Materialien bietet.

Parallel dazu beobachten wir einen Trend zur Plattformkonsolidierung: Unternehmen bündeln ihre Technologie-Stacks, um die wachsende Komplexität zu reduzieren und Kosten zu senken. Ein interoperabler DPP, der nahtlos in diese konsolidierten Plattformen integriert ist, beschleunigt Innovationen und verbessert die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit. So wird der digitale Produktpass zum Bindeglied zwischen ökologischer Verantwortung und technischer Effizienz.

Fazit: Der digitale Produktpass ist das Fundament für datengetriebene Nachhaltigkeit und damit für zukunftssichere Wettbewerbsfähigkeit, weil er Abläufe im Produktionszyklus standardisiert und die Entwicklung neuer Services sowie die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben erleichtert. Unternehmen, die den digitalen Produktpass strategisch in ihre Prozesse einbinden und gleichzeitig in die Talente ihrer Mitarbeiter investieren, gewinnen die nötige Flexibilität für den globalen Markt. Letztlich wird die Fähigkeit zu schnellem, datenbasiertem Handeln über den langfristigen Erfolg in der europäischen Industrie entscheiden.

Die Berater von Proalpha informieren Anwender gerne detaillierter zum Thema digitaler Produktpass, etwa wie das Zusammenspiel mit künstlich intelligenten Anwendungen funktioniert.

 

 

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